Fach- und Servicestelle für Konfi-Arbeit
der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern

Qualitätsperspektiven

Die Qualität der eigenen Konfi-Arbeit

Ob ein Konfi-Kurs gut war, entscheidet sich gerade nicht daran, ob Jugendliche eine Themenliste vollständig abgearbeitet, eine mehr oder wenige große Zahl an Texten auswendig gelernt und eine vorgegebene Zahl an Pflichtgottesdiensten am Sonntagvormittag besucht haben.

Aus der Praxis heraus und als Orientierung für die eigenständige Erarbeitung von Bausteinen, Modulen oder Konzepten sowie deren kritisch-konstruktive Reflexion laden wir von Konfi-Lab dazu ein, dreizehn Qualitätsperspektiven einzunehmen, um ein Gespür für die Qualität der eigenen Konfi-Arbeit zu bekommen:

  1. Subjektorientiert:
    - Werden die Jugendlichen in ihrer Individualität wahr- und ernstgenommen?
    - Bilden ihre Erfahrungen, Kenntnisse, Begabungen, Fragen und Bedürfnisse die Grundlage des Kurses?
  2. Lebensweltorientiert:
    - Werden die Lebenskontexte der Jugendlichen in Familie, Schule, Freizeit und Gesellschaft wahrgenommen und in Bezug auf die Kursgestaltung auch berücksichtigt?
    - Begibt sich der Kurs an die Lebensorte der Jugendlichen und nimmt er Fragestellungen, die dort virulent sind, auf?
  3. Inklusiv:
    - Sind Setting und Methodik so aufgebaut, dass alle Jugendlichen ohne große Hürden am Kursgeschehen teilnehmen und sich beteiligen können? … gegebenenfalls mit den notwendigen Unterstützungssystemen?
    - Können Jugendliche Erfahrungen machen, wie Menschen mit Einschränkungen ihr Leben gestalten (müssen)?
  4. Partizipativ:
    - Können Konfis über Fragestellungen, Themen, Methoden, Regeln, Projekte, Praktika, … (mit)entscheiden?
    - Ist eine Feedback-Kultur implementiert, und wird ihr Feedback auch ernstgenommen und führt zu Resultaten?
  5. Kommunikativ:
    - Wird eine offene, respekt- und vertrauensvolle Kommunikation unter allen Beteiligten praktiziert?
    - Spielen neben Wort- und Schriftsprache auch andere Ausdrucksformen (Musik, gestaltende Kunst, Tanz, …) eine Rolle?
  6. Kreativ:
    - Kommen vielfältige (sich insbesondere von schulischen Kontexten unterscheidende) Methoden zum Einsatz – einschließlich digitaler?
    - Bekommen kreative Schöpfungen wertschätzende Resonanz?
  7. Körperlich:
    - Wird der Konfi-Kurs als ganzheitlicher Bildungsprozess begriffen, in dem die Körperlichkeit aller Beteiligten zum Tragen kommt?
    - Existiert eine Kultur professioneller Nähe, die Grenzüberschreitungen oder gar (sexualisierte) Gewalt verhindern?
  8. Kognitiv:
    - Werden den Jugendliche ihr eigenes Denken fördernde und herausfordernde Inhalte der jüdisch-christlichen Tradition, der Kirchen- und Weltgeschichte, der Naturwissenschaften und des gesellschaftlichen Lebens als Resonanzmedien für die Entwicklung ihres eigenen Lebensdeutungs- und Sinnkonstruktes geboten?
    - Werden Erkenntnisse der Jugendlichen wiederum in Lern- und Entwicklungsprozesse der übrigen Gemeinde eingespeist?
  9. Spirituell:
    - Erleben Jugendliche die Vielfalt (evangelischer) Spiritualität, um eine eigene Beheimatung zu erproben und zu finden?
    - Können sich Jugendliche in verschiedenen Andachts- und Gottesdienstformaten selbst ausprobieren, ihre Erfahrungen, Fragen und Gedanken einbringen und mit anderen Menschen teilen?
  10. Kursüberschreitend:
    - Wird mit anderen Konfi-Kursen kooperiert, werden gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt, …?
    - Gehen die Konfis darüber hinaus mit anderen Menschen außerhalb der eigenen Kursgruppe in Kontakt und werden mit diesen gemeinsame Erfahrungen gesammelt und Gedanken ausgetauscht (werden dabei die Möglichkeiten digitaler Kommunikation zu Menschen weltweit genutzt)?
  11. Draußen und (weit) weg:
    - Verlässt der Kurs während der Kursmodule den Horizont von eigenem Gemeindehaus und Kirche und nutzt andere Lernorte?
    - Ist der Kurs zu Fahrten, (Wochenend-)Freizeiten oder Camps mit ein oder mehreren Übernachtungen unterwegs und eröffnet so die Erfahrungswelt eines „Miteinander-Lebens“?
  12. (Selbst-) wirksam:
    - Erleben die Jugendlichen, dass das, was sie während des Kurses tun, für andere oder sie selbst einen sinnvollen Effekt oder Gewinn hat?
    - Haben die Jugendlichen Einfluss auf das Handeln und die Entwicklung der Gemeinde / Region / Dekanat?
  13. Spaß machend:
    - Macht das Mitmachen im Kurs den Jugendlichen, Teamer*innen und Kursverantwortlichen bei allem Einsatz, aller Arbeit und allen Anstrengungen Spaß, so dass sie einfach gern dabei sind?
    - Wird die befreiende, stärkende und froh machende Botschaft des Evangeliums für alle am Kurs Beteiligten spürbar?

Diese Fragen bedingen und beeinflussen sich zu einem großen Teil gegenseitig.
In einigen dieser Qualitätsperspektiven kommt eine für eine gute Konfi-Arbeit notwendige Grundhaltung zum Ausdruck. Andere können natürlich nicht in jedem Kursmodul realisiert sein, sollten aber in der Gesamtschau eines Kurses ausreichend zum Tragen kommen.

Die Datei kann hier runtergeladen werden. 

3. Konfi-Studie

Im Zuge der 3. Konfi-Studie 2021-22 hat ein internationales Wissenschaftlerteam um die Organisatoren Prof. Dr. Wolfgang Ilg und Prof. Dr. Henrik Simojoki ein gegenseitig abhängiges Netz von (mindestens) zehn Qualitätsdimensionen herausgefiltert: Subjektorientierung – Transformation – Transition – Lernen – Arbeitsformen – Entwicklung – Struktur – Inklusion – Relationalität – Partizipation – …, die bei teils unterschiedlicher Begrifflichkeit und Fokussierung in weiten Bereichen mit den oben genannten Perspektiven deckungsgleich sind: